Gemeinsam gegen Ackergifte

Durch Ihren Kauf der Aktionsprodukte im letzten Jahr konnten wir gemeinsam die über 116 Pestizid-Mess-Stationen in ganz Deutschland produzieren, aufstellen und analysieren – vielen Dank für Ihr Engagement!

Das Märchen: Pestizide vergiften die Luft nicht, hat man uns gesagt. Sie bleiben auf dem Acker und gelangen niemals in die Stadt. Und bei ihrer Zulassung werden sie ausgiebig geprüft.

Jetzt kennen wir die Wahrheit.
Die Studie „Pestizid-Belastung der Luft“ beweist:

Pestizide sind überall, in jedem Winkel Deutschlands, auch weit abseits von Äckern. Über die Luft verbreiten sie sich bis in Städte und Nationalparks. Wie schädlich sie für Gesundheit und Artenvielfalt sind, kann dabei nur erahnt werden. Wie gefährlich sie für die Bio-Landwirtschaft sind, ist aber jetzt schon klar: Wenn wir nicht sofort handeln, gibt es eines Tages keine Bio-Produkte mehr. Und damit keine giftfreie Ernährung für unsere Kinder und Enkel.

Deshalb sagen wir: Ackergifte? Nein danke!

Auf dieser Seite finden Sie alle Ergebnisse der Studie „Pestizid-Belastung der Luft“, Hintergründe und weiterführende Informationen zur Bedrohung durch Ackergifte und Möglichkeiten, wie Sie sich gemeinsam mit uns und unseren Partnern gegen Ackergifte und die Vergiftung unserer Lebensgrundlagen einsetzen können.

Problemlage

Warum Ackergifte so gefährlich sind

Ackergifte sind chemische Tötungsmittel, die gegen Pflanzen (Herbizide), Pilze (Fungizide) und Insekten (Insektizide) auf den Äckern ausgebracht werden. Darunter sind hochgiftige Wirkstoffe, die nicht nur Bienen töten und im Verdacht stehen, Menschen gesundheitlich zu schädigen.

Der wissenschaftliche Hintergrund

Eine erste Feldstudie mit 2011 Probanden in Deutschland ergab eine Glyphosatbelastung von 99,6 % der Urinproben. Um zu erforschen, wie die Ackergifte in unsere Körper gelangen, hat das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft bereits eine Baumrinden-Studie durchgeführt. Diese erhärtet den Verdacht, dass Pestizid-Wirkstoffe mit dem Wind weite Strecken zurücklegen können. So gelangen sie in Privatgärten, Wohngebiete in Stadt und Land und auf Bio-Äcker – mit unkalkulierbaren Auswirkungen für Pflanzen, Tiere und Menschen. Auch die Grundlagen des Bio-Anbaus sind bedroht. Die aktuelle und größte unabhängige Studie für Deutschland fördert wissenschaftliche Ergebnisse zu Tage, auf Grund derer Politik und Gesellschaft jetzt handeln müssen.

Bisherige Folgen

Der Einsatz von Ackergiften in der Agrarindustrie hat unter anderem dazu geführt, dass:

  • jeder zweite Feldvogel ausgestorben ist,
  • die Hälfte der Arten in den Ackergewässern verloren
    gegangen ist,
  • seit den 1980er Jahren 80 Prozent der Insekten
    verschwunden sind,
  • auf vielen Ackerflächen kein Humus mehr entsteht,
  • durch Wasser- und Winderosion kostbarer Boden
    verloren
    geht.

Um dem entgegenzuwirken, müssen wir uns gemeinsam für gesunde Böden und artenreiche Feldgemeinschaften ohne Ackergifte einsetzen.

Wenn Sie mehr zu Pestiziden in der Luft wissen wollen, gibt es die wichstigsten Antworten auf whispert.de.

Studie “Pestizid-Belastung der Luft”

Was wurde untersucht?

Dass es Abdrift und Verfrachtung von Pestiziden gibt, ist schon lange bekannt. Denn wenn sich der Boden erwärmt, steigen Ackergifte zusammen mit Dunst und feinen Staubteilchen in höhere Luftschichten auf und werden mit dem Wind meilenweit fortgetragen.

Doch in welchem Ausmaß dies geschieht, wurde durch die bundesweite Studie zur Pestizidbelastung der Luft nun erstmals systematisch belegt. Dafür hat das wissenschaftliche Institut TIEM, im Auftrag des Bündnisses für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und des Umweltinstituts München, von März bis November 2019 an 116 über die gesamte Bundesrepublik verteilten Standorten den Pestizidgehalt der Luft gemessen.

Die verschiedenen Messpunkte befanden sich in Städten und auf dem Land, in konventionellen sowie Bio-Agrarlandschaften sowie in unterschiedlichen Schutzgebieten, teilweise in weniger als 100 Meter Entfernung von der Quelle – wie ein Radfahrer, der an einem Feld vorbeifährt, auf dem gerade gespritzt wird – teilweise in über 1.000 Metern Entfernung, also schon im Nachbardorf.

Die Daten wurden mit Hilfe von neu entwickelten technischen Passivsammlern, Filtermatten aus Be- und Entlüftungsanlagen sowie durch Funde in Bienenstöcken erhoben. Unterstützt wurde das Projekt von Bürgern, Landwirten und Imkern, die die Pestizidsammler nach Anweisung und gezielter Orts-Auswahl des TIEM-Instituts aufstellten und anschließend die Proben einsendeten. In die Ergebnisse floss zudem eine Vor-Untersuchung an Baumrinden aus den Jahren 2014 bis 2018 mit ein.

Was ist das Ergebnis?

An den 163 Untersuchungsstandorten wurden insgesamt 138 Pestizide gefunden, selbst auf der Spitze des Brockens im Nationalpark Harz waren 12 Pestizide nachweisbar. Fast ein Drittel der nachgewiesenen Wirkstoffe (30 %), darunter DDT und Lindan, ist dabei in Deutschland nicht oder nicht mehr zugelassen.

Anders als von Pestizidherstellern suggeriert, verbreiten sich in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzte Pestizide wie Glyphosat oder Pendimethalin also kilometerweit durch die Luft. Das von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestufte Glyphosat konnte dabei in sämtlichen Passivsammlern und Luftfiltern, somit in allen Regionen Deutschlands und auch weit abseits der Quelle nachgewiesen werden.

Die Menschen hinter der Studie

Die unabhängige, transparente, privat finanzierte Studie „Pestizid-Belastung der Luft“ zur Pestizidbelastung der Luft wurde im Auftrag des Bündnisses für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und des Umweltinstituts München durchgeführt.

Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft

Das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft ist ein Zusammenschluss aus Bio-UnternehmerInnen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Mitinitiatorinnen des Bündnisses sind die beiden zivilgesellschaftlichen Organisationen Landwende e. V. sowie die Schweisfurth Stiftung für eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft. Auch Berufsverbände wie der Europäische Berufsimkerverband sind Mitglieder im Bündnis. Die Akteurinnen und Akteure wollen die Lebensgrundlagen der kommenden Generationen schützen, erhalten und – wo sie bereits beschädigt sind – wieder aufbauen. Dazu initiiert das Bündnis Forschung, informiert Politik und Zivilgesellschaft und sucht den Dialog mit den Menschen.

Umweltinstitut München

Das Umweltinstitut München ist eine Umweltorganisation mit rund 20 MitarbeiterInnen, die sich seit ihrer Gründung 1986 mit Radioaktivität und Atomkraft befasst. Inzwischen arbeitet das Umweltinstitut auch dazu, wie die Klimakrise eingedämmt und die Agrarwende hin zu einer zu hundert Prozent ökologischen Landwirtschaft gelingen kann. Wo Umweltgefahren unter den Teppich gekehrt werden, bildet die NGO mit unabhängigen Informationen ein Gegengewicht. Das Umweltinstitut informiert kritisch durch eigene Messungen, Studien sowie Kampagnen und Protestaktionen über die Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft und des derzeitigen Energiesystems und zeigt Lösungswege für eine nachhaltige Wirtschaftsweise auf.

Für wen ist das gefährlich?

Für uns:

Bereits 2015 wurde in einer anderen Studie bei 99,6 % der Probanden das Pestizid Glyphosat im Urin nachgewiesen. Dass Glyphosat im Darm wirkt und dort Bakterien tötet, die wir für die Verdauung brauchen, und dass es potenziell krebserregend wirkt, ist ebenfalls bekannt. Doch die bisher üblichen, isolierten Laborergebnisse, die zu einzelnen Pestizid-Wirkstoffen durchgeführt werden, sagen kaum etwas darüber aus, wie die komplexen Formeln wirken, die letztlich auf dem Acker landen. Durch die nun nachgewiesene Verfrachtung über weite Landstriche hinweg ergibt sich außerdem die Möglichkeit zu weiteren Wechselwirkungen mit anderen Stoffen – und damit ein ganz anderes Risikopotenzial.

Für unsere Umwelt:

Auch im sogenannten Bienenbrot, das der Ernährung der Larven im Bienenstock dient, wurden Pestizide und Insektizide nachgewiesen. Wie sich das auf diese auch für den Menschen lebenswichtigen Tiere auswirkt, muss noch untersucht werden. Zudem zerstört die konventionelle Landwirtschaft systematisch und nachhaltig den Lebensraum etlicher anderer Insekten, die für die Bestäubung unserer Nutzpflanzen sorgen.

Für die Bio-Landwirtschaft:

Der Pestizideinsatz in der konventionellen Landwirtschaft bedroht den ökologischen Ackerbau und somit die Wahlfreiheit der Verbraucher.

Seit einigen Jahren mehren sich die Fälle, bei denen unerwartet hohe Pestizid-Konzentrationen in biologisch erzeugten Lebensmitteln nachgewiesen werden. Die Studie „Pestizid-Belastung der Luft“ liefert nun einen wesentlichen Grund dafür: Die Pestizide driften weit von den Ursprungsäckern ab und kontaminieren die Bio-Äcker. Das heißt: Bio-Landwirtschaft geht nur dort, wo sichergestellt ist, dass keine Pestizide auf den Boden und auf die angebauten Pflanzen gelangen. Solange sich Ackergifte bis in den letzten Winkel verbreiten und diese Tatsache bei der Zulassung von Wirkstoffen weiterhin vernachlässigt wird, droht die Gefahr, dass es eines Tages keine Bio-Produkte mehr gibt.

Die Forderungen der Kampagne

Die Ackergifte müssen verschwinden! ​

Die Forderungen der Kampagne »Ackergifte? Nein danke!« auf einen Blick:

  • Sofortverbot der in der Luft am meisten verbreiteten Wirkstoffe: Glyphosat, Pendimethalin, Prosulfocarb, Metolachlor und Terbuthylazin
  • Pestizid-Verbot bis 2035: Die EU-Kommission muss bis zum Jahr 2035 schrittweise alle chemisch-synthetischen Pestizide verbieten.
  • Pestizid-Monitoring: Die Bundesregierung muss ein jährliches, deutschlandweites Monitoring über die Verbreitung von Pestiziden in der Luft durchführen und die Kombinationswirkung unterschiedlicher Wirkstoffe in der Natur und im Menschen erforschen.
  • Schadensersatz: Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass der Bio-Landbau nicht durch den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden aus der konventionellen Landwirtschaft geschädigt wird.

Unterstützen Sie unsere Aktion gegen Ackergifte

Um das Budget für die notwendigen Maßnahmen zur Durchsetzung des Verbots chemisch-synthetischer Ackergifte sicherzustellen, spenden die teilnehmenden Bio-Händler und Bio-Hersteller im Oktober 2020 einen Teil ihrer Produkterlöse.
Machen Sie mit! Wählen Sie bei Ihrem Einkauf einfach die gekennzeichneten Bio-Produkte – ohne Aufpreis für Sie!